Adverse Media Screening und seine Bedeutung im KYC-Prozess

Adverse Media Screening und seine Bedeutung im KYC-Prozess

Schlechte Nachrichten für Verbrecher

Woran erkennt man, ob ein Kunde „gut“ oder „schlecht“ ist? Im Kundenannahmeprozess von Banken, Versicherungen und anderen Verpflichteten nach dem Geldwäschegesetz spielt diese Frage eine entscheidende Rolle.

Zur Beurteilung des Kundenrisikos müssen unter anderem die wirtschaftlichen Berechtigten, auftretenden Personen sowie Vertretungs- und Verfügungsberechtigte ermittelt und detailliert überprüft werden.

Dazu werden die Namen gegen Hochrisikoländer- und -branchenlisten sowie Sanktionslisten geprüft. Doch das allein reicht im Jahr 2024 nicht mehr: So die aktuelle Meinung der BaFin.

Prävention von Terrorismusfinanzierung

In einer Veröffentlichung Anfang Februar 2024 stellte die BaFin die Bedeutung des Adverse Media Screenings – also der Prüfung von (aktuellen) Medienberichten im Rahmen des Kundenonboardings – erstmals in den Fokus.

Auslöser dafür war der „Crowdfunding for Terrorism Financing“ Report der FATF von Oktober 2023. In diesem stellt die FATF dar, wie insbesondere Social Media Plattformen zum Werkzeug der Terrorismusfinanzierung werden.

Ein Screening von Medien ist demnach ein wichtiger – wenn auch bislang nicht explizit nach GwG vorgeschriebener – Bestandteil der Risikobewertung.

Das Adverse Media Screening

Als Adverse Media Screening wird ein Prozess bezeichnet, der Informationen aus verschiedenen Medienquellen überprüft und analysiert. Dazu zählen unter anderem:

  • Klassische Nachrichtenagenturen und Medien wie Tageszeitungen
  • Blogs und Artikel auf Webseiten
  • Internetforen
  • Pressemitteilungen und Mitteilungen von Aufsichtsbehörden, Strafverfolgungsbehörden, Steuerbehörden und anderen Regierungsbehörden

Ziel ist es, negative Berichterstattungen über Unternehmen oder Personen zu finden. Dies können Informationen über finanzielle Unregelmäßigkeiten, rechtliche Probleme, Verbindungen zu kriminellen Aktivitäten oder andere relevante Risikofaktoren sein.

Mit den Erkenntnissen aus dem Media Screening sollen potenzielle Risiken und Bedrohungen, die mit den Geschäftsbeziehungen oder einer Transaktion verbunden sind, frühzeitig erkannt werden. So soll das Risiko gesenkt und Schaden vom eigenen Unternehmen abgewandt werden.

Adverse Media Screening: Mehr als ein Background-Check

Reicht es also, ein wenig im Internet zu „googeln“, um ein Media Screening durchzuführen? Für eine vollumfängliche Risikobewertung lautet die Antwort darauf: Nein.

Das Adverse Media Screening unterscheidet sich von einem klassischen Background-Check. Während beide Methoden ein gemeinsames Ziel verfolgen – die Bewertung und Minderung von Risiken –, unterscheiden sie sich in ihren Ansätzen und Schwerpunkten.

So fokussiert sich das Adverse Media Screening auf die Identifikation negativer Berichterstattung und Informationen über Personen oder Unternehmen in den Medien. Es nutzt eine breite Palette von öffentlich zugänglichen Quellen.

Die Herausforderung hierbei liegt in der Verarbeitung und Analyse großer Datenmengen und der Unterscheidung relevanter von irrelevanten Informationen. Adverse Media Screening ist besonders wertvoll, um ein aktuelles und dynamisches Risikoprofil zu erstellen, das auch neueste Entwicklungen berücksichtigt.

Traditionelle Background-Checks stützen sich vorwiegend auf historische Daten und offizielle Dokumente, um die Vergangenheit und Glaubwürdigkeit einer Person oder eines Unternehmens zu überprüfen.

Dazu gehören unter anderem polizeiliche Führungszeugnisse, Kreditberichte, Bildungsnachweise und Arbeitsreferenzen. Diese Checks sind grundlegend für die Überprüfung der Identität und der beruflichen sowie finanziellen Geschichte eines Individuums oder einer Organisation.

Sie bieten eine solide Basis für die Beurteilung der Vertrauenswürdigkeit, bergen jedoch das Risiko, dass neuere Informationen oder inoffizielle Quellen, die relevante Risiken aufzeigen könnten, übersehen werden.

Die Bedeutung des Adverse Media Screenings im KYC-Prozess

Im sogenannten Know Your Customer (KYC) Prozess spielt das Adverse Media Screening eine bedeutsame Rolle zur vollumfänglichen Einschätzung der Risiken einer Kundenbeziehung.

Durch die systematische Überprüfung von Medienberichten und öffentlich zugänglichen Informationen ermöglicht es Unternehmen, potenzielle Risiken, die mit neuen und bestehenden Kundenbeziehungen verbunden sind, frühzeitig zu identifizieren.

Diese Proaktivität ist besonders wichtig in Branchen, die strengen regulatorischen Anforderungen unterliegen, wie das Finanzwesen, um die Integrität des Finanzsystems zu wahren und Vertrauen bei den Stakeholdern zu sichern.

Beispielsweise kann Adverse Media Screening aufdecken, wenn ein potenzieller oder bestehender Kunde in Geldwäscheaktivitäten involviert war, indem es Berichte über Untersuchungen oder Verurteilungen in diesem Kontext identifiziert.

Ebenso können Berichte über Betrugsfälle oder die Finanzierung von Terrorismus, in die ein Kunde verwickelt sein könnte, durch eine gründliche Medienüberprüfung ans Licht kommen. Solche Informationen sind von unschätzbarem Wert, um finanzielle und rechtliche Risiken für das Unternehmen zu minimieren und regulatorische Sanktionen zu vermeiden.

Fallbeispiel: Der Australier und die ISIL

Im Jahr 2013 verließ ein Australier, der angeblich die ISIL (Islamischer Staat im Irak und in der Levante“ – auch bekannt als ISIS oder IS) unterstützte, Australien in Richtung Syrien.

Vor seiner Abreise sammelte er über eine nicht registrierte Wohltätigkeitsorganisation, die vorgab, syrischen Kriegsflüchtlingen zu helfen, viele Spenden. Über die Facebook-Seite der betrügerischen Organisation wurden Spender dazu aufgerufen, Geld direkt auf das persönliche Konto des Individuums bei einer großen australischen Bank zu überweisen.

Die Bank schloss das Konto, nachdem der Australier öffentlich ISIL unterstützte. Der Australier bestritt, dass die Gelder zur Unterstützung von ISIL verwendet wurden. 2021 wurde er nach Australien ausgeliefert und wegen sechs Terrorismusdelikten angeklagt, einschließlich der Einreise nach Syrien mit der Absicht zu kämpfen und Mitglied der mit Al-Qaida verbundenen syrischen Gruppe Jabhat al-Nusrah zu sein.

Dieses Beispiel aus dem Bericht der FATF [1]zeigt, wie ein Media Screening zur Bekämpfung und Aufdeckung von Terrorismusfinanzierung genutzt werden kann.

So funktioniert das Adverse Media Screening

  1. Definition der Suchkriterien: Der erste Schritt besteht darin, die spezifischen Suchkriterien festzulegen, die für das Screening verwendet werden. Dies umfasst Namen von Einzelpersonen oder Unternehmen, aber auch Schlüsselwörter, die mit potenziellen Risiken verbunden sind, wie „Geldwäsche“, „Betrug“, „Korruption“ oder „Terrorismusfinanzierung“.
  2. Auswahl der Datenquellen: Entscheidend für ein wirksames Screening ist die Auswahl geeigneter Datenquellen. Dazu gehören Nachrichtenwebsites, Pressemitteilungen, Blogs, soziale Medien und spezialisierte Datenbanken, die Informationen über rechtliche Verfahren, Sanktionslisten und andere relevante öffentliche Aufzeichnungen enthalten. Die Effektivität des Medien-Screenings ist direkt mit der Qualität der zugrunde liegenden Daten verknüpft. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, einen Anbieter für Referenzdaten zu wählen, der verifizierte und zeitnahe Informationen aus den jeweils relevanten Märkten zur Verfügung stellt.
  3. Durchführung der Suche: Unter Verwendung der definierten Suchkriterien wird eine umfassende Suche in den ausgewählten Datenquellen durchgeführt. Moderne Screening-Tools verwenden dabei häufig künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen, um große Datenmengen effizient zu durchsuchen und relevante Ergebnisse zu extrahieren.
  4. Analyse und Bewertung der Ergebnisse: Die gefundenen Informationen müssen sorgfältig analysiert und bewertet werden, um ihre Relevanz zu bestimmen. Dieser Schritt erfordert oft eine manuelle Überprüfung, um falsch-positive Ergebnisse auszuschließen und sicherzustellen, dass die identifizierten Risiken tatsächlich relevant sind.
  5. Dokumentation und Berichterstattung: Alle relevanten Funde und die daraus resultierenden Bewertungen werden dokumentiert. Dies umfasst in der Regel einen Bericht, der die gefundenen negativen Informationen, ihre Quellen und die Bewertung des damit verbundenen Risikos zusammenfasst.
  6. Entscheidungsfindung: Auf Basis der im Screening-Prozess gewonnenen Erkenntnisse treffen Sie als Unternehmen die Entscheidung über den weiteren Umgang mit den betroffenen Personen oder Unternehmen. Dies kann von verstärkten Überwachungsmaßnahmen bis hin zum Ausschluss von Geschäftsbeziehungen reichen.
  7. Fortlaufende Überwachung: Adverse Media Screening ist oft kein einmaliger Prozess, sondern erfordert eine fortlaufende Überwachung, um neue Risiken, die sich aus künftigen negativen Berichterstattungen ergeben, frühzeitig zu identifizieren.

Effizienzsteigerung durch Automatisierung

Der Einsatz von Technologie spielt eine entscheidende Rolle in der Effizienz und Effektivität des Adverse Media Screenings, insbesondere angesichts des Volumens und der Dynamik der weltweit verfügbaren Medieninhalte.

Gerne unterstützen wir Sie mit unserer Lösung KYCnow dabei, ein effektives Media Screening in Ihren KYC-Prozess zu integrieren. Dazu setzen wir auf die Kombination smarter Technologien und den besten nationalen und internationalen Datenquellen.

Die Ergebnisse des Screenings werden für Sie optisch ansprechend und verständlich aufbereitet. Somit reduzieren Sie manuelle Aufwände auf ein Minimum.

Sie haben Interesse an unserer Lösung? Gerne sprechen wir unverbindlich mit Ihnen über Ihren persönlichen Bedarf. Schreiben Sie uns einfach eine E-Mail oder nutzen Sie unser Kontaktformular.​

Credit: Foto von Jp Valer auf unsplash.com

[1] Quelle: FATF-Bericht Seite 23